« Fenster schließen

Peter Schilling "DNA"

Peter Schilling (58), musikalischer Globalplayer seit den 80er Jahren, Singer/Songwriter internationaler Hits wie „Major Tom (völlig losgelöst)“, „Terra Titanic“, „Die Wüste lebt“ oder „The Different story“, Live-Musiker, Autor und Inhaber einer Entertainment- KG liefert wieder ab. Termin: 26.9.2014, Titel: „DNA“ - was mehr meint als die Abkürzung für „Das Neue Album“. Doch lesen Sie selbst.

„Die Welt ist eine Google, eine Facebook, eine Twitter, eine große Schokolade, manchmal süss und manchmal bitter.“ Vier Jahre lang dauerte es bis zum aktuellen Longplay. Dazwischen liegen eine kreative Schaffensphase zum aktuellen Produkt „DNA“ und ein Hausbau. Gewissermaßen ist dieser lange Zeitrahmen hilfreich gewesen mit Abstand zu den Hits der 80er bis zum heutigen Live-Act einen gelungenen Bogen zu spannen. Zeitgeistige Produktion mit inzwischen enormem Wurzelwerk von über drei Jahrzehnten im Business mussten geeint werden. Erste Insider des Geschäfts sagen, die Expedition sei gelungen. Das Album hat mehrere Perlen drauf, heißt es. Und den Schritt macht sich der Major wahrlich nicht leicht. Schon der Weg zurück mit Band auf die Live-Bühnen war gleichermaßen beschwerlich wie erfolgreich. Zahlreiche Live- Shows spielt der Schöpfer von „Major Tom (völlig losgelöst)“, „Terra Titanic“, „Die Wüste lebt“ und u.a. „The Different Story“ inzwischen in Deutschland, Österreich, Schweiz pro Jahr.. Vor rund sieben Jahren habe ich für mich mit neuem Team und Band & Crew die Kehrtwende eingeläutet. Ich wollte zurück zum Live-Geschäft
und empfinde große Demut, dass das Publikum diese Rückkehr angenommen hat.“

„Im Verhältnis 1:1 mischt sich Körper, Seele, Geist.“

Der neue Longplay meint mit DNA natürlich Fingerprint, genetisches Material, Unverkennbarkeit. Schillings musikalische DNA selbstredend signifikant: Mehrfach in den US-Billboard-Charts mit Höchstplatzierung Top 14, acht Wochen mit Album und Single gleichermaßen in Kanada auf Platz eins, Gold-Platin-Status weltweit, Italien auf Platz zwei, Spanien ebenso, die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Was erwartet uns einige Höhen und Tiefen später mit dem aktuellen Produkt? Peter Schilling selbst klammert bei diesem markanten und viel sagenden Titel den psychologischen Ansatz auch nicht aus. Sind ihm doch neben der Leidenschaft für technokratische Themen auch so scheinbar sperrige Bereiche wie Quantenphysik oder die tiefgründigen wie Psychologie nicht fremd. Das ist die kreative DNA von PS.

„… würd ich die Welt gern wie sie wirklich ist verstehn, das geht nicht durch nach außen, sondern durch nach innen sehn.“

„Wenn ich ein Album mache, dann gibt es nichts Anderes, naja sagen wir fast. Und wenn ich ein Haus baue, dann mache ich wiederum nur das. Sehr zum Leidwesen meines kreativen Umfelds.“ Denn so zog sich der Termin für dieses Album gelegentlich um die eine oder andere Woche nach hinten, weil er noch auf der Baustelle zu finden war, selbstgebaute Terrasse inklusive. „Ich habe angefangen zu recherchieren, wie man so etwas baut und gesagt, ich mache so weit, wie ich allein komme. Irgendwann war die Terrasse dann fertig. So ist es auch immer wieder in der Musik. Da ist das leere Blatt Papier, ich habe das Gefühl, nie wieder einen Song schreiben zu können und irgendwann fließt es wieder… Das gilt für so vieles im Leben. Einfach anfangen, sehen, wie weit man kommt. Oftmals viel weiter, als der eigene Selbstwert es für möglich hält.“
So feinstofflich wie anpackend, so mystisch wie konkret. Peter Schilling ist nicht einfach zu kategorisieren . Nicht der Typ Künstler, der vor dem Live-Konzert gepäppelt werden möchte mit Aufmerksamkeit und Salbei-Tee, vielmehr einer,der als Frontmann im besten Sinne in der Band aufgeht.

„Besser du begegnest mir mit Respekt und Höflichkeit, denn ich bin die Uhr, ich bin dein Tag, ich bin die Zeit.“

Offensiv, zeitgemäß und typisch Schilling ist „So ist die Welt“ der Türöffner des Albums. Manchmal wie zeitversetzt in die totalen Anfänge in den frühen Achtzigern ist es geradezu erstaunlich, wie sich eine gewisse Naivität der damaligen Zeit mit heutiger Produktionsweise und aktuellen Sounds vereinigt. „Ich höre Radio und bin keiner von denen, der sagt – Früher war alles besser – im Gegenteil, da laufen heute national wie international Nummern, die einfach fantastisch gemacht sind. Und so ist der Song ein Bildnis unserer Welt zwischen sozialen Netzwerken und dem bittersüßen Geschmack, den das Leben für Jedermann damals wie heute bereithalten kann.“ In diesem Sinne, einige Krisen erlebt, mehr noch, gemeistert, plädiert der Wahl-Münchner die Komfortzone hin und wieder zu verlassen, um an neue Ufer zu gelangen.

Der Titelsong „DNA“: Entspannt, mit der nötigen Prise Text und Aussage, ohne die Peter Schilling nicht abliefert. „Ich arbeite an einem zeitgemäßen Schilling-Sound und freue mich, dass bereits eine Trendwende zu verzeichnen ist. Arbeit und Fleiß sind Tugenden, die ich nicht scheue, heute nicht und damals schon nicht. So ist es mir gelungen, Welthits zu schreiben. Das macht mich heute – über 30 Jahre später – unfassbar stolz. Ich darf wegen meiner eigenen kreativen Leistung auf der Bühne stehen“ „Nach innen seh´n“ – ein Lied, das dramaturgisch wie inhaltlich Lehren verschiedener anerkannter Psychologen in eine berührende Ballade fließen lässt. „Manchmal höre und lese ich stundenlang Erich Fromm oder C. G. Jung, weniger Sigmund Freud, muss ich zugeben. Wissenshungrig, wie sich Peter, der im Privaten Pierre heißt, selbst bezeichnet, verschlingt er die Biographie eines Aristoteles genauso wie die anerkannter Physiker. „Wäre ich nochmal jung, würde ich in all diesen Fächern besser aufpassen. Heute habe ich Nachholbedarf.“

„Wir kontrollieren, navigieren, konsumieren digital. Jede Bewegung schafft ein Profil und speichert sich zentral…“

„Wenn sie es so wollen“ scannt die derzeitige Entwicklung des beobachteten Daseins im Jahr 2014. Während GoogleGlass und derlei technisches Gerät uns helfen soll, wie auch Instagram & Co. jeden Moment unseres Daseins festzuhalten, verlieren wir unter Umständen das Wesentlichste aus den Augen. Und so hievt einen diese musikalische Hommage mit voller Wucht auf die Ebene des Wesentlichen, dem Privatesten vom Privaten. Mit „Ich bin die Zeit“ appelliert der Singer/Songwriter für mehr Respekt und Höflichkeit im Umgang mit diesem neben Gesundheit und Liebe höchstem Gut, der Zeit. „Ich habe diesbezüglich die eine oder andere Lektion gelernt oder bei mancher bin ich noch dabei…“
„Ozean“ meint Seelengrund, meint sich selbst kennen zu lernen und als den wahrnehmen der man ist, nicht als den, der man gerne wäre. „Man kann heute Facebook-Klicks kaufen, das ist bekannt, man kann sich bei Ausbildungsabschluss, beruflichen Fähigkeiten oder Partnerschaftsprofilen in die Tasche lügen. Aber was bringt sowas?“ Schilling hat für solche Halbherzigkeiten nichts übrig. Eher kokettiert er, wenn man ihn ob des Mega-Sellers „Major Tom“ fortwährend darauf anspricht und gegebenenfalls reduzieren möchte. „Das ist mein Branding, da gibt es nichts zu leugnen.“
Dass alles was uns umtreibt angestoßen, fortgeführt, einen Ursprung und eine logische Folge hat, besagt der Song mit dem eindeutigen Symbol-Titel „Dominos“.
„Echos“ feierte Premiere am Brandenburger Tor vor 800.000 Zuschauern und erzählt in zeitgenössischem Pop-Kleid die Geschichte vom gesprochenen Wort, das man nicht mehr ein holt und einem immer wieder reflektiert wird. Nicht allein die Bankenkrise, sondern sogar einen Hauch mehr die Wertekrise, in der wir uns befinden, entcodiert der Titel „Das Lot der Moral“. Dass dabei Ethos und Sitte weniger fachlich im Vordergrund stehen als die Reflektion des jeweils Einzelnen und dessen Zugang dazu, macht den Song zu Botschaft statt Fingerzeig.
Der zehnte Song des Albums „Reden“ meint, was es sagt. Kommunikation, sich mitteilen, aber auch einsehen, wenn Wege zu Ende sind. „Es geht ja nicht immer darum, einer Meinung zu sein. Es gilt Respekt zu bewahren.“

„Du hast Sehnsucht nach den höchsten Mauern, nach dem Schutz, der keiner ist. Nimm deinen ganzen Mut zusammen, weil Sehnsucht Herzen bricht.“

Peter Schilling ist nicht nur Songschreiber, sondern auch Autor von inzwischen mehreren Büchern. Seine im vergangenen Jahr erschienene Sachbuch-Biographie oder umgekehrt seinem biographischen Sachbuch „Völlig losgelöst – Mein langer Weg zum Selbstwert / Vom Burnout zurück ins Leben“ (Beltz-Verlag) hat überschwängliche Rezensionen bekommen. Und Erfolg: In den Charts der Psychologie-Lebenshilfe Ratgeber bis auf die 2
geklettert, verlagsintern sogar auf die 1, hat er für seine schonungslose Offenheit gepaart mit fundamentiertem, wissenschaftlich belegtem Inhalt, von zahlreichen Lesern zum Teil herzzerreißendes Feedback erhalten. Weil er sie am Punkt erwischt hat. „Meine Meinung ist: Wenn man vor neuen Lebensabschnitten steht, muss man dahin gehen, „wo´s weh tut“ . Drum herum schleichen hilft nicht. Ich weiß, wovon ich rede. Das sollte die Botschaft des Buches sein.“
Schilling hat gelernt, die Dinge anzusprechen, die ihn bewegen. Der Botschafter des Deutschen Kinderschutzbundes
nennt Eigenverantwortung das Zauberwort. „Du hast jeden Tag die Gelegenheit, deine Gedanken zu korrigieren, das
vermeintlich Negative in Lehrstoff des Lebens umzumünzen. Alles andere ist unerlöst und tut nicht gut, das ist meine
Erfahrung.“

„… jeder einzelne Stein ist fürs Kollektiv bereit. Sie fallen um, sie stoßen an und geben den Impuls, und haben einen Masterplan.“

PS will nun an dem musikalischen Faden weiter arbeiten, die Perlen aufziehen, die ihm die Muse bringt. Und nicht nochmal bauen!!! Kochen, Wellness und Zeit mit der Familie sind in der Bauphase kurz gekommen. Peter Schilling, ganz der bodenständige Schwabe – quod erat demonstrandum. Bis zum nächsten Album wird es also nicht wieder so lange dauern. In etwas mehr als einem Jahr kommt ein runder Geburtstag. Zu diesem hat Peter Schilling wieder Neues vor.: Musik und anderes.

„Die Armee der tausend Worte ahst du in die Welt geschickt, sie kommen irgendwann als Echos zu dir zurück.“

Demnächst will der 58-Jährige auch wieder an seine musikalische Zeit in New York anknüpfen, arbeitet an einem Konzert in der US-Metropole, in der er bis 1989 eine hoch erfolgreiche Schaffenszeit erleben durfte. Dann kam das Burnout. Heute, nach 25 Jahren, bereut er nicht, dass er seiner Gesundheit zuliebe die Verträge dort aufgekündigt hat. „Aber dort wieder live spielen, das ist mein Ziel.“ Der Mann, der Zünglein an der Waage war für seinen internationalen Erfolg, ihn für die Plattenfirma Elektra einkaufte, hat für Herbst 2014 seinen Besuch angekündigt, und mit seinem KnowHow zum aktuellen Cover beigetragen. „Ich freue mich erst einmal als Mensch, dass er kommt. Aber wenn wir beruflich wieder was drehen, dann bin ich nicht dagegen.“

„…mag sein, dass der Mensch gerne verdrängt, doch im Großen und Ganzen wird er gelenkt, nenn es Schicksal, nenn es Glaube, nenn Leben oder Gott.“

Das DNA-Cover ziert einen Typographie-Style, mit einem Fingerabdruck, der die persönliche Note des gebürtigen Schwaben dokumentiert. „Das Album ist das Ergebnis einer Reflektion mit Fans, Wissenschaftlern, Musik-Fachkollegen, aktuellem musikalischen Streetstyle.“ In die genetische Struktur vom Major Schilling muss das Schicksal Freigeistigkeit und Fleiß eingewoben haben. „Ich mag Schranken im Denken nicht. Schließlich hat alles mit Menschen zu tun und wie es doch so schön heißt, ist nichts interessanter für den Menschen als der Mensch.“ Fleißig deshalb, weil PS schon mal 48 Stunden am Stück im Studio nicht locker lässt, bis der Sound ist wie er sein soll. Peter Schilling textet so auf Punkt, dass es einen beim bloßen Zuhören flasht. Früher habe ich mir von meinen Helden der Jugend gewünscht, dass ich mich später nicht für meinen Musikgeschmack – na, sagen wir genieren muss. Wäre ich seinerzeit Schilling-Fan gewesen, würde ich heute stolz das Autofenster auf dem Parkplatz runter lassen und sagen „Der ist von früher. Nicht schlecht, was?“

„Will raus aus diesem Vakuum, brauche Kommunikation. Wir sollten reden…dann sind wir synchron“

Wer glaubt, Schilling sei spätestens aus den ungestümen 80er Jahren kommend stimmlich eher reduziert, wird auf diesem Album eine komplett neue Vielfalt erfahren. „Ich bin ein stimmliches Keyboard, so nannte man mich früher schon. Kein immer gleich gut klingendes Klavier, sondern vielmehr das einzustellende Keyboard,“ schmunzelt PS.
Nun ist es also raus, das neue Werk. Ein Funk-Kollege nannte es ein „Werte-Album“, meint, man könne aus jedem Song etwas mitnehmen. Schilling sagte daraufhin nichts; ich würde aber meinen, ein wenig Stolz streifte seine Mimik. Nach Veröffentlichung der CD „DNA“ setzt Peter Schilling mit seiner Band die Konzert-Tour fort.
Daniela Kamp

Nähere Infos www.peterschilling.com und https://de-de.facebook.com/peterschillingcom
Anspieltipps: So ist die Welt / Nach innen sehn / DNA /Wenn sie es so wollen/Ozean